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"Zukunftswerkstatt liefert wertvolle Anregungen für Hockenheim"

Lebhafte Diskussionen, viele Vorschläge - Hockenheims Bürger entwickeln Ideen für die Zukunft

Die Stimmen schwirren durcheinander, ein Stuhlbein scharrt über den Fußboden. Stifte quietschen auf Papier, ab und zu ertönt ein „Ja“ oder „Das finde ich auch!“ durch den Raum. Betriebsame Arbeitsatmosphäre hat sich breit gemacht in den Räumen der Theodor-Heuss-Realschule. Dabei ist es Samstag, wo normalerweise kein Geräusch die Stille im Schulgebäude stört. Doch an diesem Samstag ist alles anders in Hockenheim.

Schon früh am Morgen ist geschäftiges Treiben ausgebrochen: Stühle werden hin und her gerückt, Blätter auf Tischen sortiert, Namensschilder vorbereitet, Laptop und Beamer angestellt. Und dann, etwa halbzehn in Hockenheim, ist es soweit: Die ersten Besucher treffen ein. „Wo ist die Kinderbetreuung?“ fragt eine Mutter. „Die Kinder werden im Friedrich-Fröbel-Kindergarten betreut, gleich nebenan“, beantwortet Ruth Kupper geduldig alle Fragen. Und Fragen gibt es an diesem Morgen viele. Denn zum ersten Mal wird in Hockenheim eine so genannte „Zukunftswerkstatt“ durchgeführt, Ruth Kupper von der Stadtverwaltung Hockenheim organisiert die Veranstaltung.

Mit der Zukunftswerkstatt hatte die Stadtverwaltung alle Bürgerinnen und Bürger aufgefordert, ihre Ideen zur Zukunft Hockenheims einzubringen. Etwa 90 Gäste waren dem Aufruf gefolgt. „Das ist eine gute Zahl“, erklärt Jens Ridderbusch von der „FamilienForschung Baden-Württemberg“. Der erfahrene Moderator hat die „Zukunftswerkstatt“ – eine Veranstaltungsreihe zur Stärkung von Familie und bürgerlichen Engagement - schon in zahlreichen Gemeinden und Städten umgesetzt und dabei viele Erfahrungen gesammelt. Zusammen mit Andreas Reuter vom „Kommunalverband Jugend und Soziales Baden Württemberg“ stellt das erfahrene Team an diesem Morgen auch bei der Hockenheimer Zukunftswerkstatt die Frage: „Kinder, Jugendliche, Familien, Senioren – wie wollen wir künftig in Hockenheim leben?“

Und dass die Vorstellungen davon sehr unterschiedlich sind, das erfahren nicht nur Teilnehmer und Moderatoren, sondern auch Oberbürgermeister Dieter Gummer und sein Stellvertreter Werner Zimmermann, die zusammen mit mehreren Stadträten Gäste der lebhaften Ideenwerkstatt waren. „Wir haben uns bewusst entschieden, uns im Hintergrund zu halten und zuzuhören, was die Menschen über Hockenheim denken, was sie sich wünschen und wo sie Defizite sehen. Die Ergebnisse waren für uns sehr aufschlussreich“, sagte Gummer.

Zu beobachten gab es in der Tat vieles. „Es fehlt ein Angebot für Jugendliche zwischen 16 und 20 Jahren“, „Geschäftesterben in der Innenstadt“ oder „Sauberkeit des Bahnhofes“ sind einige der Schwächen, die die Teilnehmer Hockenheim in Bezug auf Familienfreundlichkeit bescheinigen. Als gut wurden dagegen das Kulturangebot, das Vereinsleben oder die Grün- und Spielanlagen bewertet.

Die Bestandsaufnahme am Vormittag machte viele Handlungsfelder auf. „Das Konzept der Zukunftswerkstatt will aber nicht nur beschreiben, sondern auch Ideen entwickeln“, erläutert Ruth Kupper die Gründe, weshalb man sich gemeinsam mit dem Gemeinderat in Hockenheim entschlossen hatte, eine Zukunftswerkstatt durchzuführen. Und diese Ideen wurden dann bis zum Nachmittag mit den ehrenamtlichen Moderatoren in vier Arbeitsgruppen ausgearbeitet.

„Willkommen sein und Heimat finden“ war das Thema einer Arbeitsgruppe. „Wir haben uns auf bestimmte Themenfelder konzentriert“ so Moderator Jürgen Wolf. Wolf war zuvor - wie die übrigen lokalen Moderatoren Sybilla Albert, Michael Dahlinger, Gerhard Knopf, Kurt Kreimes, Detlev Meyer-Düttingdorf, Gisela Späth und Petra Surma - für die speziellen Aufgaben geschult worden. Denn dass moderieren nicht nur reden heißt, ließ sich in den Gruppen beobachten. „Halten wir uns an die Spielregeln“ mahnten da die Moderatoren, wenn das Stimmengewirr zu laut wurde. „Ausreden lassen“ greift der Moderator in die laute Diskussion ein, bei der jeder sofort zu Wort kommen will. Und auch die Moderatoren müssen sich im Griff haben: Schließlich dürfen sie die Vorschläge der Teilnehmer nicht bewerten, und das heißt eben auch, das eigene Mienenspiel ständig unter Kontrolle zu haben. Bis zum Nachmittag entwickeln die Teilnehmer in lebhafter Diskussion verschiedene konkrete Vorschläge, benennen mögliche Umsetzer der Projekte sowie potentielle Helfer. Gegen 15 Uhr schlägt dann die Stunde der Wahrheit: Die Gruppenmitglieder setzen rote Klebepunkte hinter die Vorschläge, die für sie am wichtigsten sind.

Danach geht es zum Abschluss noch einmal ins Plenum: Gemäß der demokratischen Abstimmung in den Gruppen werden die Ergebnisse vorgestellt. Treffpunkte für Jung und Alt schaffen, Tauschbörsen sowie Informationsplattformen schaffen für den Austausch von Kompetenzen, Dienstleistungen und Erfahrungen für Hockenheims Bürger, die Zehntscheune als Platz der Begegnung ausbauen, Skaterpark und Jugenddisco einrichten: die Beispiele zeigen, wie vielfältig die Ideen in der Bevölkerung sind. Und ein genereller Wunsch wurde an die Stadt formuliert: Die Bürgerinnen und Bürger möchten mehr Informationen über ihre Stadt.

„Mir hat die lebhafte Diskussion hier in Hockenheim sehr gefallen. Es wurde eine Vielzahl an Ideen entwickelt“, fasste Jens Ridderbusch die Ergebnisse zusammen. Er wird jetzt mit seinem Kollegen Andreas Reuter die Vorschläge auswerten und in einer Dokumentation zusammenfassen. Die Schlussfolgerungen aus der Zukunftswerkstatt werden voraussichtlich im Mai dem Gemeinderat vorgestellt. „Die Zukunftswerkstatt war eine gute Veranstaltung, die wertvolle Hinweise und Anregungen für künftige Aufgaben und Ausrichtungen in der Stadt Hockenheim lieferte“, bewerte Gummer abschließend die Veranstaltung.


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