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Bäume und Nachbarrecht

All zu häufig ist ein Baum nahe dem Gartenzaun Auslöser für Nachbarschaftsstreitigkeiten. Vor zwanzig Jahren freuten sich Eigentümer und Nachbarn über das frisch gepflanzte Bäumchen nahe der gemeinsamen Grundstücksgrenze. Doch der Baum wuchs, er wuchs schneller und höher als man sich das vorgestellt hatte. Dem einen ist der Baum mittlerweile ans Herz gewachsen und erfreut sich am Vogelgezwitscher in seiner Krone, doch der Nachbar auf der anderen Seite des Gartenzauns sieht das ganz anders. Ihn stört der Schattenwurf, der Dreck (gemeint sind Blätter und Blüten), den der Baum über das Jahr verursacht, die verstopfte Regenrinne und das verstopfte Fallrohr. Für ihn ist klar: Der Baum muss weg. Das wäre natürlich schade, denn gerade in den Wohnquartieren kommt es auf jeden Baum an, welcher das Mikroklima aber auch die Wohnqualität verbessert. Bäume können erst wenn sie groß werden diese wichtigen Funktionen richtig übernehmen.

Da die Stadt Hockenheim anders als Großstädte wie z.B. Mannheim oder Heidelberg über keine Baumschutzsatzung verfügt, die das Grün in der Stadt unter strengen Schutz stellt, kommen bei einem „Baumstreit“ nur das Nachbarrecht und das Naturschutzgesetz zur Anwendung. Am besten ist es, wenn sich Nachbarn ohne lange Auseinandersetzungen gütlich auf den Erhalt eines Baumes einigen können.

Gelingt dies nicht, so ist folgendes zu beachten dass durch das Naturschutzgesetz Fauna und Flora unter Schutz gestellt wird: 

§ 29 Allgemeiner Schutz der Pflanzen und Tiere

(3) In der Zeit vom 1. März bis 30. September ist es verboten,

Hecken, lebende Zäune, Bäume, Gebüsche, Röhrichtbestände zu roden, abzuschneiden oder auf andere Weise zu zerstören oder

Bäume mit Horsten oder Bruthöhlen zu fällen oder zu beseitigen.

 

Nachbarrecht

Im Nachbarrecht für Baden-Württemberg finden sich Regelungen für Innerortslagen in Bezug auf die Grenzabstände von Gehölzen:

für Hecken bis 1,80 m Höhe gilt:

0,50 m Abstand von der Grenze, die Zweige dürfen jedoch bis an die Grenze wachsen.

Bei einer Wuchshöhe über 1,80 m gilt für den Abstand zur Grenze: 0,50m zuzüglich der Mehrhöhe der Hecke:

Beispiel:
Bei zwei Meter Heckenhöhe ergibt sich also ein Grenzabstand von 0,50m zuzüglich der Wuchshöhe über 1,80m also 0,20m.
Rechnung:  0,50m + 0,20m = 0,70m

 

Sonstige Gehölze (Auszug Nachbarrecht Baden-Württemberg)

§ 16 NRG

(1) Bei der Anpflanzung von Bäumen, Sträuchern und anderen Gehölzen sind unbeschadet der §§ 12 bis 15 folgende Grenzabstände einzuhalten:
1. a) mit Beerenobststräuchern und -stämmen, Rosen, Ziersträuchern und sonstigen artgemäß kleinen Gehölzen sowie mit Rebstöcken außerhalb eines Weinberges 0,50 m,
    b) mit Baumschul- und Weihnachtsbaumkulturen sowie mit Weidenpflanzungen, die jährlich genutzt werden, 1 m;
die Gehölze dürfen die Höhe von 1,80 m nicht überschreiten, es sei denn, daß der Abstand nach Nummer 2 eingehalten wird; 
2. mit Kernobst- und Steinobstbäumen auf schwach- und mittelstark wachsenden Unterlagen und anderen Gehölzen artgemäß ähnlicher Ausdehnung, mit Baumschul- und Weihnachtsbaumkulturen, soweit nicht in Nummer 1 aufgeführt, mit Forstsamenplantagen sowie mit Weidenpflanzungen, die nicht jährlich genutzt werden, 2 m;
die Gehölze dürfen die Höhe von 4 m nicht überschreiten, es sei denn, daß der Abstand nach Nummer 3 eingehalten wird; 
3. mit Obstbäumen, soweit sie nicht in Nummer 2 oder 4 genannt sind, 3 m;
4. a) mit artgemäß mittelgroßen oder schmalen Bäumen wie Birken, Blaufichten, Ebereschen, Erlen, Robinien (»Akazien«), Salweiden, serbischen Fichten, Thujen, Weißbuchen, Weißdornen und deren Veredelungen, Zieräpfeln, Zierkirschen, Zierpflaumen und mit anderen Gehölzen artgemäß ähnlicher Ausdehnung sowie 
   b) mit Obstbäumen auf stark wachsenden Unterlagen und veredelten Walnußbäumen 4 m;
5. mit großwüchsigen Arten von Ahornen, Buchen, Eichen, Eschen, Kastanien, Linden, Nadelbäumen, Pappeln, Platanen, unveredelten Walnußsämlingsbäumen sowie mit anderen Bäumen artgemäß ähnlicher Ausdehnung 8 m.

2) Die Abstände nach Absatz 1 Nr. 2 bis 4 Buchst. a ermäßigen sich gegenüber Grundstücken in Innerortslage auf die Hälfte. Dies gilt nicht für Baumschul- und Weihnachtsbaumkulturen, Forstsamenplantagen sowie für geschlossene Bestände mit mehr als drei der in Absatz 1 Nr. 2 bis 4 Buchst. a angeführten Gehölze. Einzeln stehende großwüchsige Bäume, ausgenommen Nadelbäume, dürfen gegenüber Grundstücken in Innerortslage mit einem Abstand von 6 m gepflanzt werden.

(3) Der Besitzer eines Gehölzes, das die nach Absatz 1 Nr. 1 und 2 zulässige Höhe überschritten hat, ist zur Verkürzung verpflichtet, jedoch nicht in der Zeit vom 1. März bis 30. September.
 

Das Nachbarrecht ist Privatrecht und gilt nur für private Grundstücke. Eventuelle Streitigkeiten müssen durch die Nachbarn selbst, oder aber durch Gerichtsurteil beigelegt werden.

Die Stadtverwaltung Hockenheim kann hier keine Stellung beziehen.

 

Die unter Punkt 1 bis 5 aufgelisteten  Abstände gelten nicht für das öffentliche Grün.


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